Rohes Fleisch macht Hunde krank?
Immer wieder wird vor der Fütterung von rohem Fleisch gewarnt. Als Argument wird häufig angeführt, dass rohes Fleisch mit Bakterien und anderen Mikroorganismen belastet sein kann und dadurch eine Gefahr für Hund und Mensch darstellt.
Dass rohes Fleisch nicht keimfrei ist, steht außer Frage. Doch daraus ergibt sich eine andere, entscheidende Frage:
Bedeutet das Vorhandensein von Keimen automatisch, dass ein gesunder Hund durch rohes Fleisch krank wird?
So einfach ist es nicht.
Rohes Fleisch ist nicht keimfrei
Wie andere rohe Lebensmittel kann auch Fleisch für die Hundeernährung unterschiedliche Mikroorganismen enthalten. Das ist zunächst einmal keine Besonderheit von BARF.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen dem Nachweis eines Mikroorganismus und einer tatsächlichen Erkrankung. Nicht jeder Kontakt mit einem potenziell krankmachenden Keim führt automatisch zu einer Infektion oder zu Krankheitssymptomen.
Hunde kommen darüber hinaus auch unabhängig von ihrer Fütterung täglich mit zahlreichen Mikroorganismen in Kontakt – beispielsweise über ihre Umwelt, andere Tiere, Wasser oder Dinge, die draußen aufgenommen oder abgeleckt werden.
Der Verdauungstrakt besitzt natürliche Schutzmechanismen
Der Verdauungstrakt des Hundes verfügt über verschiedene Mechanismen, die ihn beim Umgang mit der Nahrung und den darin enthaltenen Mikroorganismen unterstützen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei unter anderem das saure Milieu des Magens. Die Magensäure dient nicht nur der Verdauung, sondern stellt gleichzeitig eine natürliche Barriere gegenüber vielen aufgenommenen Mikroorganismen dar.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Krankheitserreger grundsätzlich unschädlich gemacht werden oder ein Hund durch rohes Fleisch niemals erkranken könnte.
Bei einem gesunden Hund führt eine normale Keimbelastung jedoch nicht automatisch zu einer Erkrankung.
Keimnachweis bedeutet nicht automatisch Krankheit
Dieser Unterschied ist auch bei der Bewertung von Untersuchungen zur Rohfütterung wichtig.
Werden bei einem Hund bestimmte Bakterien im Kot nachgewiesen, bedeutet dies zunächst, dass der Hund diese Bakterien aufgenommen hat beziehungsweise ausscheidet. Daraus allein lässt sich noch nicht ableiten, dass der Hund aufgrund dieser Bakterien erkrankt ist.
Bei der Beurteilung solcher Untersuchungen muss deshalb unter anderem berücksichtigt werden, ob die untersuchten Tiere tatsächlich erkrankt waren, wie sie gefüttert wurden und welche anderen möglichen Infektionsquellen bestanden.
Genau deshalb sollte man bei Aussagen wie „Rohfütterung macht Hunde krank“ genauer hinschauen, worauf diese Schlussfolgerung tatsächlich beruht.
Auch andere Futtermittel sind nicht steril
Mikrobiologische Verunreinigungen sind zudem kein ausschließliches Problem von rohem Fleisch.
Auch kommerzielle Futtermittel können mit unerwünschten Mikroorganismen verunreinigt sein. Immer wieder kommt es deshalb beispielsweise zu Rückrufen von Tierfuttermitteln.
Der entscheidende Unterschied ist also nicht einfach „BARF enthält Keime – anderes Futter nicht“.
Auch andere Lebensmittel und Futtermittel können mit unerwünschten Mikroorganismen belastet sein.
Was bedeutet das für den Menschen?
Bei der Rohfütterung sollte nicht nur der Hund betrachtet werden.
Ein Hund kann bestimmte Mikroorganismen aufnehmen und möglicherweise auch wieder ausscheiden, ohne selbst sichtbar krank zu sein. Deshalb ist ein vernünftiger hygienischer Umgang mit rohem Fleisch wichtig.
Das bedeutet aber nicht, dass die Küche nach jeder BARF-Mahlzeit desinfiziert werden muss.
Im Grunde gelten dieselben grundlegenden Hygieneregeln, die auch beim Umgang mit rohem Fleisch für den menschlichen Verzehr selbstverständlich sein sollten:
Hände nach der Verarbeitung waschen, verwendete Arbeitsflächen und Utensilien reinigen, Näpfe sauber halten und rohes Fleisch sachgerecht lagern und auftauen.
Besondere Situationen berücksichtigen
Nicht jeder Hund und nicht jeder Haushalt hat dieselben Voraussetzungen.
Bei gesundheitlich stark beeinträchtigten oder immungeschwächten Tieren sollte individuell beurteilt werden, ob eine Rohfütterung geeignet ist.
Besondere Sorgfalt ist auch angebracht, wenn Kleinkinder, Schwangere, ältere oder immungeschwächte Menschen im Haushalt leben.
Hier geht es nicht darum, BARF grundsätzlich als gefährlich einzustufen, sondern das individuelle Risiko vernünftig zu berücksichtigen.
Muss es unbedingt rohes Fleisch sein?
Nein. Eine individuell zusammengestellte Ration muss nicht zwingend roh gefüttert werden.
Auch eine selbst gekochte Ration kann individuell und bedarfsgerecht zusammengestellt werden. Gerade wenn eine Rohfütterung nicht gewünscht wird oder für den jeweiligen Hund nicht die passende Lösung darstellt, kann ein Kochplan eine gute Alternative sein.
Eine weitere Möglichkeit ist eine Fütterung auf Basis von Reinfleischdosen. Dabei wird das bereits erhitzte Fleisch mit den individuell benötigten weiteren Komponenten und Ergänzungen zu einer vollständigen Ration zusammengestellt.
Auch bei Kochrationen und Reinfleischdosen gilt allerdings: Nur Fleisch allein ergibt noch keine ausgewogene Fütterung. Die gesamte Ration muss so zusammengestellt werden, dass die benötigten Nährstoffe berücksichtigt werden.
Welche Fütterungsform am besten passt, hängt deshalb vom jeweiligen Hund, seiner gesundheitlichen Situation und natürlich auch davon ab, was sich für den Halter im Alltag gut umsetzen lässt.
BARF ist eine Möglichkeit – aber nicht die einzige Möglichkeit einer individuell zusammengestellten Fütterung.
Rohfütterung und Hygiene gehören zusammen
Die Tatsache, dass rohes Fleisch Mikroorganismen enthalten kann, ist kein Grund, dieses Risiko zu verschweigen.
Sie ist aber ebenso wenig ein Beweis dafür, dass Rohfütterung einen gesunden Hund zwangsläufig krank macht.
Eine verantwortungsvolle BARF-Fütterung bedeutet deshalb nicht nur, eine bedarfsgerechte Ration zusammenzustellen. Auch Auswahl, Lagerung und hygienischer Umgang mit den verwendeten Lebensmitteln gehören dazu.
Fazit
Rohes Fleisch ist nicht keimfrei – aber das bedeutet nicht automatisch, dass es einen gesunden Hund krank macht.
Der Organismus eines gesunden Hundes verfügt über natürliche Schutzmechanismen und kommt auch im Alltag regelmäßig mit unterschiedlichsten Mikroorganismen in Kontakt.
Trotzdem sollte das mögliche Vorkommen von Krankheitserregern ernst genommen werden. Eine sachgerechte Lagerung und normale Küchenhygiene gehören deshalb selbstverständlich zur Rohfütterung.
Wer nicht roh füttern möchte oder für wessen Hund eine andere Fütterungsform besser geeignet ist, kann auch auf eine individuell zusammengestellte Kochration oder eine Ration auf Basis von Reinfleischdosen zurückgreifen.
Entscheidend ist nicht allein, ob das Fleisch roh oder erhitzt gefüttert wird, sondern dass die gesamte Ration zum jeweiligen Tier passt und bedarfsgerecht zusammengestellt ist.
© Franken-BARF
